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Über den Trauerfall (2)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Udo Lattek, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Grabstelle Udo Latteks
09.03.2016 um 12:26 Uhr von Trauer
Legendärer Titelsammler
09.03.2016 um 12:24 Uhr von TrauerTrainerikone Udo Lattek ist tot. Der Meistermacher, der Pädagoge, der Hobby-Journalist, starb wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag in Köln.
von Horst Konzok
Der früh Kult gewordene Trainer hatte nach seiner grandiosen Karriere über viele Jahre die Sport1-Sendung „Doppelpass“ als profunder Experte und schlagfertiger, manchmal auch hitziger Gesprächspartner geprägt. Nach einem Schlaganfall hatte sich die Trainerlegende vom Fernseh-Stammtisch verabschiedet. Von einer Gehirnoperation erholte sich Lattek nicht mehr, er erkrankte an Alzheimer und Parkinson. In einem Kölner Pflegeheim lebte er zuletzt, täglich umsorgt von seiner Frau. Lattek, der gebürtige Ostpreuße, kam früh ins Rheinland. Er hatte Mathematik und Physik studiert, arbeitete als Sportlehrer, ehe er 1965 dem Ruf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) folgte. Er trainierte die Jugend-Nationalmannschaft und gehörte bis zum 14. März 1970 zum Stab von Bundestrainer Helmut Schön. Dann trat der junge Trainer beim FC Bayern München die Nachfolger von Branko Zebec an. Franz Beckenbauer hatte sich für den erst 35-Jährigen stark gemacht. Er prägte eine großartige Ära der Bayern mit Stars wie Gerd Müller, Sepp Maier, „Katsche“ Schwarzenbeck, „Bulle“ Roth und eben dem „Kaiser“. Paul Breitner, Uli Hoeneß und Rainer Zobel, die Lattek einst als DFB-Jugendtrainer begeistert hatte, folgten seinem Ruf zu den Bayern, mit denen er 1972, 1973 und 1974 Meister wurde, 1974 auch den Europapokal der Landesmeister gewann.
1975 nach einem Zwist mit dem damaligen Bayern-Boss Wilhelm Neudecker gefeuert, fand Lattek bei Borussia Mönchengladbach zurück in die Erfolgsspur: 1975 und 1976 führte er die „Fohlen“ zum Titel, 1979 holte Lattek mit Heynckes, Vogts und Co. den Uefa-Cup.
Er hatte einen großartigen Ruf als Taktiker, als Motivator, als Spielerversteher. Lattek war schon früh in seiner Laufbahn ein väterlicher Freund mit einer natürlichen Autorität. Viele seiner Spieler fühlten sich ihm bis zuletzt als treue Freunde verbunden. Daran änderten auch TV-Scharmützel mit Uli Hoeneß oder Franz Beckenbauer nichts. Aber Lattek lebte auch seine Aversionen aus. In tiefer Abneigung war er seinem Lieblingsfeind Otto Rehhagel verbunden.
Nach den vier Jahren in Mönchengladbach hatte es Lattek zu Borussia Dortmund gezogen – ungewohntes Mittelmaß folgte, aber der Fußball wurde für Lattek erstmals zur Nebensache. Sein Sohn Dirk erkrankte an Leukämie und starb mit 15. Die Tragödie erschütterte Lattek. Er löste seinen Vertrag in Dortmund auf, flüchtete zum FC Barcelona. Eine schwere Zeit. Lattek schien manches Mal seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. In Spanien verlor er den Machtkampf mit Diego Maradona, feierte mit den Bayern 1985, 1986 und 1987 einen Titel-Hattrick, 1987 gar das Double. Sportdirektor in Köln, Kurzzeit-Trainer bei Schalke 04 und 2000 die Retter-Mission bei Borussia Dortmund: Das war’s nach acht deutschen Meisterschaften, 15 Titeln. Als Kolumnist und TV-Experte blieb Lattek, der Mann der besonderen Rhetorik, am Ball. Bis die Krankheit kam.