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Sternenkinder

Sehr früh verstorbene Kinder nennt man auch Sternenkinder / angieconsciour - Pixelio.de

Die Wortschöpfung "Sternenkind" hat ihre Wurzeln in der kindlich-religiösen Vorstellung, dass die verstorbenen Kinder "in den Himmel" kommen. Lange Zeit wurden verstorbene Babys als Fehl- oder Totgeburten bezeichnet.
Insbesondere die Tatsache, dass beide Begriffe auch für das Sterben des Babys verwendet wurden, stört viele Eltern. Sie wünschten sich eine Fokussierung auf das Kind, zu dem Mütter und Väter oft bereits während der Schwangerschaft eine enge Bindung aufgebaut haben. Den Eltern lag es daher sehr am Herzen, einen eigenen Begriff für die Kinder selbst zu finden. Auch die Begriffe "Engelskind" und "Schmetterlingskind" werden gelegentlich für Sternenkinder verwendet, sind aber wesentlich weniger verbreitet.

Rechtliche Anerkennung

1994 wurde die rechtliche Anerkennung von Sternenkindern ein erstes Mal überarbeitet. Damals wurde die Gewichtsgrenze, die in Deutschland gilt, um als Person anerkannt zu werden, von 1000 Gramm auf 500 Gramm heruntergesetzt. Für viele Eltern von Sternenkindern war dieser Zustand jedoch nicht zufriedenstellend. Die Vorstellung, dass ihr Baby, zu dem sie während der Schwangerschaft bereits eine enge Bindung aufgebaut haben, nicht als Person gilt und nicht einmal einen Totenschein bekommen wird, war für sie nicht nachvollziehbar. Deshalb bildete sich eine Elterninitiative, zu deren Zielen es gehört, das Personenstandsgesetz zu ändern. Sie möchten, dass alle verstorbenen Kinder und Säuglinge als Personen anerkannt werden.

Konsequenzen

Viele Außenstehende fragen sich, warum die Anerkennung ihres Sternenkinds als Person so wichtig für viele Eltern ist. Sie sind sich meist der Konsequenzen aus der gesetzlichen Regelung nicht bewusst: Zum einen tauchen diese Kinder bisher nicht im Familienstammbuch auf, zum anderen bekommen sie keine Sterbeurkunde. Für die Eltern der Sternenkinder sind sie aber ein Teil der Familie und oft ebenso präsent wie lebende Kinder. Die Bewältigung der Trauer ist einfacher, wenn der verlorene kleine Mensch auch von außen als einmal existierende Person anerkannt wird.

Außerdem: Wer nicht als Person eingetragen ist, kann auf vielen Friedhöfen nicht bestattet werden. Denn die Friedhofsordnungen schreiben vor, dass nur Personen hier beigesetzt werden dürfen. Mit der neuen Regelung können Sternenkinder auf jedem deutschen Friedhof beigesetzt werden.

Sternenkinder seit 2013

Durch eine Petition im Jahr 2012 wurde dem Kabinett der Vorschlag vorgelegt, auch tot geborenen Kindern mit einem Gewicht von unter 500 Gramm eine Existenz zu zuerkennen und sie somit personenstandsrechtlich zu erfassen. Initiiert wurde diese Petition von einem hessischen Ehepaar, das selbst drei Kinder kurz vor beziehungsweise nach der Geburt verloren hatte. Anfang Februar 2013 beschloss der Deutsche Bundestag einstimmig, das Personenstandsrecht zu ändern. Anfang März 2013 wurde dieser Regelung auch im Bundesrat zugestimmt, so dass Eltern von Sternenkindern diese standesamtlich eintragen lassen können. Diese Eintragung ist auch rückwirkend möglich und unabhängig von Geburtsgewicht des Kindes.

Durch das Inkrafttreten des Personenstandsrechts-Änderungsgesetzes (PStRÄndG) vom 7. Mai 2013 ist eine Beurkundung von Sternenkindern in die Personenstandsregister zwar nicht umgesetzt worden, jedoch besteht die Möglichkeit, eine Bescheinigung über die Existenz des Kindes vom Standesamt zu erhalten. Somit wird das Sternenkind mit einem Namen im Personenstandsregister verzeichnet und kann auf einem Friedhof bestattet werden.

Zwar ist dies keine Personenstandsurkunde - was vor allem für den Bezug öffentlicher Leistungen eine rechtliche Relevanz hat (Mutterschaftsgeld), aber der Kampf für die Rechte der Sternenkinder und ihrer Eltern ist hierdurch einen großen Schritt voran gekommen.

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